Hunde
Katzen Doch schon der gesunde
Menschenverstand lässt einen aufhorchen, wenn Hersteller und
Anwender behaupten, dass der jederzeit auszulösende Sprühstoß für den
Hund " gar nicht schlimm" sei. Da fragt man sich doch
selbst nach nur kurzem Nachdenken, wie es denn möglich sein soll, instinktive, genetisch
fixierte Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Jagdverhalten durch
etwas zu unterdrücken, das dem Hund gar nichts ausmacht?! Dem Hundehalter
wird generös angeboten, das Gerät doch selbst mal in die
Hand zu nehmen oder um den Hals zu legen, während der Trainer den Auslöser betätigt...
und tatsächlich, so schlimm war das doch gar nicht. Ein kurzes
" Zischhhh" mit etwas feucht-kalter Luft. " Ja" , bestätigt
der überzeugte Hundehalter, " das war gar nicht schlimm." Was
Hersteller und Trainer jedoch geflissentlich verschweigen (aus
Unwissenheit oder in betrügerischer Absicht?!), ist die Tatsache, dass
plötzlich auftretende, nicht eindeutig zuzuordnende Zischlaute beim Hund
als Angst auslösende, sogar lebensbedrohliche Laute abgespeichert sind,
bei denen sofort die Flucht ergriffen werden muss. Jeder kennt den Anblick
eines Hundes, der sich selbst im Körbchen `zig mal um die eigene Achse
dreht, bevor er sich schließlich gemütlich niederlegt. Es handelt sich bei
dieser Verhaltensweise um ein Erbe aus den Zeiten, in denen der Hund noch
weitgehend draußen in Freiheit lebte. Bevor er sich hinlegte, drehte er
sich mehrfach im Gras oder Laub, um die ausgesuchte Liegestelle als
ungefährlich abzusichern. Sollte beim Drehen ein Zischlaut (zum Beispiel
von einer Schlange) zu hören sein, würde er sich durch einen Sprung zur
Seite in Sicherheit bringen. Biologisch sinnvoll... und diesen genetisch
fixierten, Angst auslösenden Zischlaut bringen wir Menschen nun in den
unmittelbaren Kopfbereich des Hundes! Und drücken vielleicht gleich
mehrfach das Auslöseknöpfchen, worauf der Hund ganz leicht nicht nur in
Angst, sondern sogar in Panik versetzt werden kann " ohne die Möglichkeit,
sich durch die Flucht zur retten!" Eigentlich ist dieser Umstand allein schon
Grund genug, niemals zu erlauben, dass einem uns anvertrauten Lebewesen
ein solches Gerät angetan (im wahrsten Sinne des Wortes!) wird. Es gibt
aber noch mehr Probleme: Der Hund weiß nie, wann und vor allem warum
der Sprühstop ausgelöst wird, befindet sich also in ständiger
Erwartungsunsicherheit. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, dem
empfehle ich folgendes Eigenexperiment, das nicht in Anwesenheit eines
Hundes durchgeführt werden sollte, damit dieser nicht unnötig verunsichert
wird: Bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund, Sie wirklich
stark zu erschrecken, zum Beispiel durch einen lauten Schrei oder dadurch,
dass er plötzlich die Stereoanlage zu voller Lautstärke aufdreht oder zwei
Töpfe aufeinander schlägt, wenn Sie gerade überhaupt nicht damit rechnen,
sich zum Beispiel entspannt im Sessel zurücklehnen oder gerade mit
Freunden Karten spielen. Das Experiment sollte mindestens mehrere Stunden,
am besten ein oder zwei Tage dauern und der Schreckreiz sollte in dieser
Zeit mehrfach ausgelöst werden - ohne dass Sie wissen, wann dies sein
wird. Sie werden merken, dass der eigentliche Reiz, wenn er dann endlich
auftritt, bei weitem nicht so schlimm zu ertragen ist, wie die zermürbende
Warterei auf ihn. Obwohl man ihn fürchtet, wünscht man ihn schon beinahe
herbei in der Hoffnung, dann wieder eine Weile Ruhe zu haben, was aber
nicht so ist, da er kurz nach dem Auftreten ein zweites oder drittes Mal
ausgelöst wird und dann wieder stundenlang gar nicht, ganz wie es Ihrem
Helfer beliebt. Keine angenehme Vorstellung, nicht wahr?! Aber es gibt noch weitere Probleme. Gleich mehrere
ergeben sich aus der Tatsache, dass Hunde über gedankliche Verknüpfung
lernen. Trägt der Hund das Halsband und erhält den Sprühstoß, wenn
er zum Beispiel auf mehrfachen Zuruf nicht kommt, so möchte der Mensch
ihm damit zeigen, dass er dafür mit Schreckreiz bestraft wird, dass er
ungehorsam ist. Es kann aber gut sein, dass er in genau diesem Moment zu
einem kleinen Kind, einem Jogger oder einem anderen Hund schaut - und den
Strafreiz damit verbindet. Das Ergebnis ist dann ein Hund, der noch immer
nicht besser auf Abruf reagiert, dafür aber Ängste, evtl. sogar durch
die Angst ausgelöste Aggressionen, gegen das entwickelt, was er gerade
sah. Die Hundehalter sind dann ratlos, weil ihr Hund " plötzlich"
kleine Kinder meidet oder Jogger anknurrt, mit denen er doch bisher
bestens auskam. Viele solcher Beispiele finden sich in meiner Hundeschule
ein, erst kürzlich ein Rhodesian Ridgeback Rüde, dessen Sprühhalsband
immer ausgelöst wurde, wenn er zum Wildern durchbrennen wollte. Bei diesen
Spaziergängen war allerdings auch immer seine Gefährtin, der Zweithund der
Familie, anwesend. Die Halter kamen nun nicht wegen des unerwünschten
Jagdverhaltens zu mir in die Hundeschule, mit dem sie sich inzwischen
abgefunden hatten, sondern weil der Rüde seit Wochen die Nähe der Hündin
mied. Immer wenn diese den Raum betrat oder sich, so wie früher, zu ihm
kuscheln wollte, verließ er mit ängstlichem Gesichtsausdruck das Zimmer
und das konnte man sich nicht erklären... Was hatte man diesen beiden
Hunden angetan! Welche Gefühle wurden in den Tieren ausgelöst?! Der Rüde
hatte nun Angst vor seiner Gefährtin, die er früher heiß und innig liebte,
während diese nicht verstehen konnte, weshalb er, der vorher immer
leidenschaftlich mit ihr spielte und tobte, sie jetzt mied. Die gleiche
Trainerin, die den Einsatz des Sprühhalsbandes empfohlen hatte, empfahl
jetzt übrigens, einen der Hunde abzugeben, weil die Tiere sich
unterschiedlich entwickelt hätten und einfach nicht mehr gut zueinander
passen würden. Die Ängste des Rüden erklärte sie über die angeblich
dominante Ausstrahlung der Hündin. Man könnte weinen, wenn man Hunden mit
einem solchen Schicksal gegenüber steht - oder es packt einen einfach nur
die Wut. Die Probleme gehen noch weiter, denn nichts generalisiert sich
bei Hunden so schnell, wie Geräuschangst. Nicht nur dieser Rüde,
sondern auch zahlreiche andere Hunde entwickeln nach Einsatz des Sprühhalsbandes
Ängste vor allen möglichen Geräuschen. Das Öffnen einer kohlesäurehaltigen
Getränkeflasche, das Zischen von heißem Fett in der Pfanne,
Knall- und Schussgeräusche, die dem Hund vorher egal waren, versetzen ihn
jetzt in Angst und Schrecken. Der oben erwähnte Ridgeback Rüde zum
Beispiel verzog sich mit eingezogener Rute unter den Tisch des Besprechungsraums, als
ich eine Wasserflasche öffnete. Dies tat ich nicht, weil ich
Durst hatte - trauriger Weise gehört es inzwischen schon fast zum Standardprogramm beim
ersten Kennenlernen und Analysieren eines mir vorgestellten Hundes
auszutesten, ob er schon mit Sprühhalsband gearbeitet wurde und
welche Wunden dies an seiner Seele hinterlassen hat. Die Halterin war
auch sehr erstaunt, als ich ihr nach dem " Flaschentest" auf den
Kopf zusagte, dass an ihrem Hund sicher schon mit Sprühhalsband gearbeitet
worden war. Das wollte sie mir eigentlich gar nicht erzählen, weil
sie schon gehört hatte, dass ich gegen den Einsatz dieser Geräte bin. Nachdem
ich sie auf die Reaktion ihres Hundes hingewiesen hatte, war sie sehr
betroffen. Und wütend, nachdem ich ihr erklärte, weshalb ihr Rüde jetzt
Angst vor der Hündin und vor allen möglichen Geräuschen hatte. Wütend
auf die Trainerin, die sie auf diese "unerwünschten Nebenwirkungen"
nicht aufmerksam gemacht, sondern immer erklärt hatte, wie harmlos der
Einsatz des Gerätes sei. Für mich stellt sich die Frage, ob Kollegen, die
es einsetzen, um diese Nebenwirkungen nicht wissen, oder ob sie diese
bewusst verschweigen, weil kaum jemand bereit wäre, den Einsatz zu
erlauben, wenn sie bekannt wären. Und ich stelle mir die Frage, was von
beiden eigentlich schlimmer ist... Last not least gibt es Probleme mit der
Technik. Es soll schon vorgekommen sein, dass das Gerät durch andere
Funkfrequenzen oder sogar die Fernbedienung eines in der Nähe befindlichen
Halsbandes an einem anderen Hund ausgelöst wurde. Der Strafreiz wird dann
also einem Hund verabreicht, der einfach nur herumsteht oder gerade spielt
oder sonst etwas tut. Das steigert die Erwartungsunsicherheit natürlich
noch mehr und erhöht die Trefferquote auf Fehlverknüpfungen immens.
Zusätzlich löst es nicht immer zuverlässig aus, kann zum Beispiel durch
Wetterlagen mit feuchter Luft (Nebel, Regen) verzögert oder gar nicht
reagieren. Schließlich zeigt es auch nicht an, wann die Batterie leer ist,
wodurch es passieren kann, dass der Auslöser gedrückt wird und nichts
geschieht. Dann käme man durch das Ausbleiben des Strafreizes (wenn der
Hund denn überhaupt verstanden hätte, wofür er eigentlich bestraft werden
soll) in den Bereich der variablen Bestätigung, was das unerwünschte
Verhalten sogar noch verstärkt. Der Hund würde nämlich lernen, dass er das
Verhalten nur immer wieder zeigen muss, bis er schließlich wieder zum
Erfolg (in diesem Fall das Ausbleiben des Strafreizes und die erfolgreiche
Durchführung des Verhaltens) kommt. Man kann es also drehen und wenden, wie man
will: Sprühhalsbänder sind ganz und gar nicht harmlos, im Gegenteil sogar
sehr gefährlich. Manche Hunde werden durch sie so verunsichert, dass sie
in die so genannte erlernte Hilflosigkeit fallen, was zur Folge hat, dass
sie kaum noch Aktionen zeigen oder Handlungen anbieten, weil sie in
ständiger Angst vor dem für sie unkalkulierbaren Strafreiz leben. Um
diesen Tieren, und ihren verzweifelten Haltern, zu helfen, braucht es
ein meist lang angelegtes, gut durchdachtes Training, das den Hund aus
dieser erlernten Hilflosigkeit und seinen vielfältigen Ängsten wieder
herausholt. Sprühhalsbänder gaukeln dem Hundehalter vor,
mal eben schnell per Fernbedienung eine Lösung für vermeintliche oder
tatsächlich entstandene Probleme zu haben. Aber so einfach ist das nicht.
Hunde sind uns anvertraute, fühlende und denkende Lebewesen, die nicht
beliebig manipulierbar sind und deren Lernverhalten sich von dem unseren
ganz erheblich unterscheidet. Ich kann deshalb nur dringend empfehlen,
jeden Ausrüstungsgegenstand und jede Methode, der/ die durch Hersteller
oder Trainer empfohlen wird, vor Anwendung am Hund genau zu prüfen, sich
gut zu informieren und im Zweifelsfall nach dem guten alten Motto zu
entscheiden, das auch für unsere Hunde gelten sollte: Was Du nicht willst,
das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu. © Clarissa v.
Reinhardt die Ethologin
(Verhaltensforscherin) Mag. Heidrun Krisa hat mir freundlich
genehmigt, ihren Artikel zu veröffentlichen: Dominanz? - Nein
danke!
Vielleicht wundern Sie sich: Während alle " Hundeexperten" von
" Dominanzproblemen" bei Hunden reden, werden Sie bei uns diesen und
andere Begriffe (z. B. Rangordnung) nicht hören oder lesen. Und das hat
seinen guten Grund. Zum einen wird dieser Begriff von vielen Leuten ganz unterschiedlich
verwendet: Wenn ich dann genau nachfrage, was einen dominanten
Hund eigentlich auszeichnet, sind es Eigenschaften wie aggressiv,
wild, ungestüm, unbeherrscht, ungehorsam, draufgängerisch, kräftig,
etc. In den allermeisten Fällen zeigen die derart bezeichneten Hunde
jedoch ganz einfach gestresstes Verhalten! Leider wissen die überforderten
Hundehalter damit nichts anzufangen, und reihen den Hund in die
Kategorie "dominant" . Die Bezeichnung " dominant" führt in der Regel vor allem zu
einem: zu einer unendlichen Kette von Missverständnissen und gesteigerter
Aggression, an deren Ende im schlimmsten Falle Beißunfälle oder das Töten
des Hundes aus vorgeschobenen Gründen stehen. Tatsächlich gibt es in der modernen Ethologie ausreichend
Hinweise, dass wir mit dem ganzen Dominanzkonzept bei Hunden einem großen
Irrtum aufgesessen sind! Einem Irrtum, der Tierquälerei deckt und der
viele Hunde das Leben kostet. Wie es dazu kommen konnte, und warum wir
heute gescheiter sind (sein sollten!), lesen Sie bitte bei Mech (1999),
Coppinger (2003) und Eaton (2003) Auch bei unseren Vorträgen weisen wir
auf diese wichtigen Zusammenhänge ausführlich hin. Kurz zusammengefasst möchte ich hier nur sagen, dass für ein
problemloses Zusammenleben mit Hunden ganz andere Kenntnisse von großer
Wichtigkeit sind:
Auf diese und andere Fragen bekommen Sie bei uns die
passenden Antworten, und bald werden auch Sie sagen:
Dominanz? Nein
danke!
Start
Tierheilpraxis Notfelle
Kontakt Gästebuch Persönliches
Honorar

Köpfchen statt Knöpfchen...
oder: Ist doch nur Wasser!
...das gilt
auch für die viel gepriesenen Sprühhalsbänder, die in verschiedenen
Ausführungen den Markt erobert haben. Spätestens seit uns Hundenanny Katja
Geb-Mann u.a. allwöchentlich im deutschen Fernsehen vorführt, wie jeder
Hund, ganz gleich welches Problem er seinen Haltern vermeintlich oder
tatsächlich bereitet, mit Einsatz einer Fernbedienung in das Verhalten
gepresst werden kann, das Herrchen oder Frauchen beliebt, finden die
Halsbänder, die einen angeblich völlig harmlosen Spraystoß von sich geben,
steigenden Absatz.
animal learn(Genehmigung zur
Veröffentlichung)
Das hat in der Folge zweierlei
Auswirkungen:
Welcher Art die Probleme, die
ein Hund verursacht, auch immer sein mögen, NIEMALS dürfen gewaltsame Maßnahmen
und Schmerzzufügung als " Therapie" eingesetzt werden!! Dadurch
wird ein Teufelskreis an Aggression in Bewegung gebracht, aus dem Hund und
Mensch nur schwer wieder herausfinden!